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Wilkommen bei Holger Knaak
Wilkommen bei Holger Knaak 2018-04-14T22:57:13+00:00

Willkommen auf meiner Homepage!

Was bedeutet es heute „links“ sein?
Antifaschistisch, antirassistisch, irgendwie „progressiv“? Das sind doch „alle“.

„Klassisch links“ bin ich nicht sozialisiert, war nie in einem politischen Jugendverband oder einer Partei, bevor ich mit 34 Jahren der LINKEN beigetreten bin.
Von zu Hause aus eher christlich geprägt, sogar recht bibelfest. Wobei ich mich eher als „Agnostiker“ bezeichnen würde und das „christliche“ eher als „kulturelles Statement“ ansehe. Frei nach C.G. Jung: Religionen geben Antworten und Orientierung in der ewigen Auseinandersetzung des Menschen mit seiner eigenen Existenz, sie geben Halt und Sinn. Ihre Symbole und Rituale formulieren in Bildern die nicht in Worten fassbaren, oft unbewussten spirituellen und psychologischen Erfahrungswerte und Erkenntnisse vieler Generationen. Aber aus jedem lebendigen Ritual gelebten Glaubens,  jedes Symbolbild tief gefühlter Wahrheiten verliert mit der Zeit seine Farbe und erstarrt zu hohlen Formen. Dann beginnen die Menschen sich Religionen mit frischeren Farben zuzuwenden. Daher der Boom „neuer“ Religionen und Spiritualität mitten im „christlichen Abendland“. Als Historiker bin ich da jedoch eher konservativ: das, was uns heute die asiatischen Religionen so sympathisch macht,  findet sich auch in der abendländischen Tradition.

Was viel Wichtiger als alle Theologie ist, ist die praktische Ebene: Ethik. Hier hat das Christentum einige großartige Punkte gesetzt. Goldene Regel etwa – quasi die Steilvorlage für jeden Kommunisten: weil ich gerne mit möglichst wenig, dafür umso befriedigender Arbeit gut Leben möchte und Geld eine „Nebensache“ sein sollte, sollten auch alle anderen so leben können. Nur lässt sich der Mensch weder leicht zum „Herrenmenschen“ noch „Neuen Menschen“ umerziehen, wie die Geschichte leidvoll bewiesen hat und damit Churchills „Die Demokratie ist die schlechteste aller Staatsformen, mit Ausnahme aller anderen“ Recht gibt. Wobei die heutigen „Demokratien“ etwas ganz anderes als das antike „demos kratia“ (Herrschaft des demos, also des politischen Verbandes der Bürger eines Gemeinwesens) ist. Und genau daran krankt, denn wenn Entscheidungen (und nur entscheiden heißt wirklich herrschen) an andere delegiert werden, bilden sich schnell oligarchische Strukturen heraus – und dann herrschen die „Repräsentanten“ und „Technokraten“ zunehmend gegen den eigenen demos. Ein Problem, dass in allen westlichen „Demokratien“ immer stärker auftritt (außer denen, die wie die Schweiz eine echte Demokratie haben): das Wahlen kaum noch was ändern und Parteien zunehmend beliebig austauschbar sind, zu „Wahlvereinigungen“ ihre Spitzenkandidaten verkommen.
Oder die Idee der Menschenrechte, die allerdings ohne die Idee der Bürgerrechte – alle Bürger haben politisch die gleichen Rechte der alten Griechen niemals gedacht worden wären. „Erfunden“ hat den Begriff wiederum ein Christ: der als „Bischof der Indios“ bekannte Bartholomeo de las Casas, der damit gleichzeitig den Grundstein für die spätere Abschaffung der Sklaverei legte. Nebenbei: Abschaffung der Sklaverei und Menschenrechte gehen Hand in Hand. Fällt das Verbot der Sklaverei, fallen auch die Menschenrechte.  Diese Gefahr besteht immer noch, insbesondere seitdem sich das ursprünglich „westlich geprägte Kapital“ mit autoritären Regimes in aller Welt verbindet und zunehmend die Einengung durch „Bürgerrechte“ und „republikanische Staatsform“ als Rendite-minimierend in Frage stellt. Der heutige Kampf geht nicht um Kapitalismus vs. Sozialismus sondern „westlicher Kapitalismus“ (oft auch als „nationaler Kapitalismus“ bezeichnet) vs. globalisiertem sog. „neoliberalen“ Kapitalismus, der ganze Staaten gegeneinander ausspielt und der Politik immer mehr die Regeln diktiert, wo es doch eigentlich umgekehrt sein sollte.

Zurück zum Anfang – ich bin also ein untypischer LINKER und vertrete in einigen Bereichen stark abweichende Meinungen vom „linken Mainstream“. Ich halte sprachliches Gendern für unsinnig und kontraproduktiv – weil „Sprache macht Denken“ (Sapir-Whorf-These) falsch ist (Veränderung von Sprache führt mitnichten einfach so zu anderem Verhalten) und dieses von vielen Menschen abgelehnte „Neusprech“ sogar zu gegenteiligen Wirkungen führt, währen die real durchaus bestehenden Probleme dadurch überhaupt nicht berührt werden. Zudem ist die Behauptung, dass auch das biologische Geschlecht („sex“) ein gesellschaftliches Konstrukt ist, eine Beleidigung jedes halbwegs naturwissenschaftlich geschulten Geistes, dem bewusst ist, dass das zweigeschlechtliche Modell in der Evolution seit mindestens 500 Millionen Jahren der absolute Erfolgs-Renner ist und es nur ganz wenige Ausnahmen (wie Plattwürmer oder Polypen) gibt.  Judith Butler hat mit der Betonung der Bedeutung affirmativer Akte für die Konstruktion „sozialer Geschlechter“ („gender“) durchaus Recht, aber das kann man einfach nicht auf die Biologie übertragen. In den Sozialwissenschaften ist das in der neueren Forschung auch schon wieder kein Thema mehr, wird aber von „linken Femistinnen“ immer noch angeführt. Dabei sollte „Feminismus“ auch nichts „links“ sein, sondern sich um das ursprüngliche Anliegen kümmern: dass Frauen die gleichen Möglichkeiten haben, sich frei zu entfalten, wie die Männer es (theoretisch) schon immer hatten.
Auch beim Thema „Migration“ bin ich anderer Ansicht als der „linke Mainstream“. Kein Mensch, keine Gruppe, kein Volk und kein Staat trägt die moralische Verantwortung für das Unrecht dieser Erde. Es gibt keine „historische Schuld“ irgend etwas tun zu müssen. „Schuld“ ist immer individuell, nie kollektiv und schon gar nicht vererbbar. Es gibt nur die Pflicht aus der Geschichte zu lernen und verantwortungsvoll zu handeln. Wer aufgrund von „Auschwitz“ meint, Angriffskriege führen zu müssen oder Menschen aufzunehmen, die unsere Art zu leben ablehnen, hat aus der Geschichte das Falsche gelernt. Man muss konsequent Ursachen bekämpfen, statt durch Symptombekämpfung das bestehende Elend nur zu stabilisieren und neue Probleme zu schaffen. Zudem darf individuelles moralisches Empfinden nicht der Maßstab staatlichen Handelns sein – das Individuum kann alles Mögliche wollen und verlangen, staatliches Handeln hat sich am Kant´schen kategorischen Imperativ zu orientieren.

Demokratie ist eine besondere Spielart des Republikanismus. Republiken bestehen aus Bürgern. Bürgern sind – im Gegensatz zu passiven Untertanen, die nur Objekte staatlichen Handels sind – aktive Subjekte, die an der Gestaltung ihres Gemeinwesens partizipieren. Die Basis dafür ist die POLITISCHE Gleichheit aller Bürger. Die Demokratie ist eine politische Gemeinschaft, in der der demos (also die Gesamtheit der Bürger) direkt die Entscheidungen trifft. Das ist in keinem EU-Land der Fall und Deutschland ist eines der Länder, in dem die Bürger am allerwenigsten entscheiden können. Was zu einer immer größeren Entfremdung zwischen „Eliten“ und „Bürgern“ führt. Dies muss dringend geändert werden. Und weil kein politisches Gebilde so fragil ist, wie eine Demokratie, selbst wenn es nur eine „repräsentative“ ist, weil hier die FREIWILLIGKEIT der Bürger entscheidend ist, muss dieses Gebilde besonders gut geschützt werden. Was hält eine Demokratie zusammen? Eine gemeinsame kulturell-historische Identität, die alle Mitglieder dieser politischen Gemeinschaft teilen und sie insbesondere in Zeiten der Krise veranlassen, dass schwer in See liegende Schiff eben nicht zu verlassen, sondern Opfer zu bringen und wider flott zumachen. So etwas hat mit „deutscher Leitkultur“ herzlich wenig gemeinsam. „Republikanische Leitkultur“ wäre angebrachter. Das Bewusstsein, dass der Sieg der Athener gegen die Perser bei Marathon und Salamis ein Sieg der Demokratie gegen die Tyrannis war und daher für unsere politische Identität viel wichtiger als irgend ein preußischer Krieg ist. Dass die Magna Charta, die Schweizer Eidgenossenschaft, die Unabhängigkeit der Niederlande, der 1648 Friede etc. pp. Meilensteine auf dem langen Weg vom „Untertanentum“ des Mittelalters hin zur Republik, Demokratie und damit Grundrechten und Menschenwürde waren. Leider ist bei Vielen in meiner Partei das kulturell-historische Gedächtnis arg im Schwinden begriffen und deswegen kommen die aberwitzigsten Vorschläge und Forderungen. Insofern vertrete ich hier ganz klassischen Liberalismus.

Wieso bin ich dann mit einigen derart vom allgemeinen „linken Mainstream“ abweichenden, eher klassisch links-liberalen Ansichten, dennoch in DER LINKEN?
Weil ich den Neoliberalismus als die aktuell größte Gefahr für die Menschheit ansehe. Denn er ist seinem Wesen nach „totalitär“. „Totalitär“ sind nach Hannah Arendt Systeme, die (wie etwa eine „klassische“ Diktatur) nicht nur Gehorsam im öffentlichen Raum erzwingen, sondern ALLE Lebensbereiche durchdringen und sich immer weiter ausdehnen, bis die den gesamten Sozialkörper umfassen. Das ist beim Neoliberalismus eindeutig der Fall. Zudem weißt er erstaunliche Ähnlichkeiten zur Funktionsweise der Sklaverei auf: etwa die Einteilung in „reiche Metropolen“ mit hoher Bürgerpartizipation und blühenden Wissenschaft und Künsten einerseits und zunehmend zerfallenden „Lieferzonen“, dazu eine Transformierung seiner „Vasallen“ in ähnlich aggressive Gebilde, wie die ursprünglichen Sklavenhalterstaaten.
Hier kommt der Historiker wieder durch. Aber mit historischen Analogien sollte man vorsichtig sein. Also beschränke ich mich darauf, zu sagen, dass der „Neoliberalismus“ mittlerweile zum Todfeind der westlichen „Demokratien“ geworden ist. Und die einzige Partei, die das schon seit langen erkannt hat und den „neoliberalen status quo“ zu bekämpfen sucht, ist DIE LINKE.