/(Kultur)Politik
(Kultur)Politik 2020-10-20T22:06:17+02:00

politik„Eine Stadt hat keine einheitliche Identität, sondern viele Identitäten, so wie sie sich aus ganz unterschiedlichen Menschen und Bevölkerungsgruppen zusammensetzt, die unterschiedliche Fähigkeiten, Bedürfnisse und Ansprüche haben. Erst in ihrer Summe machen sie zusammen mit der von Geschichte und Gegenwart geprägten Stadtgestalt die Unverwechselbarkeit der Stadt aus. Die Existenz der Stadt beruht auf Toleranz und Anerkennung des Andersartigen. Das Prinzip der Stadt von heute und morgen ist nicht die Unterordnung, Anpassung an eine herrschende Lebensform oder Ausgrenzung, sondern der Austausch und die Kommunikation zwischen unterschiedlichen, auch widersprüchlichen Lebensweisen. Ohne diese Offenheit hätte die Stadt keine Zukunft. Der Pluralität von Stadtgesellschaft entspricht eine Vielfalt von kultureller Praxis und Angeboten, welche den unterschiedlichen Ansprüchen der Menschen in der Stadt gerecht wird. Die Anziehungskraft der Stadt hängt davon ab, ob sie vielen Individuen und Gruppen, jedem auf seine Weise, eine Beteiligung am kulturellen Leben bietet, ob auch Auswärtige neugierig darauf sind, deshalb die Stadt zu besuchen oder in der Stadt auf Dauer zu bleiben.“ (aus der „Magdeburger Erklärung“ des Deutschen Städtetages von 1995).

Dresden verfügt jenseits der kulturellen touristischen Leuchttürme über eine für eine Stadt dieser Größe ungewöhnlich vielfältige und große zeitgenössische Kulturszene im „E“ und „U“ Bereich. Die Stadt ist Heimat hunderter Bands der unterschiedlichsten Stilrichtungen, es gibt zahlreiche kleine Clubs und privat organisierte Kulturprojekte, eine umfangreiche Vereinslandschaft, jede Menge „nicht-kommerzieller“ Projekte – und einen mittlerweile nicht mehr übersehbaren Mangel an „Freiräumen“, „Off-Spaces“, bezahlbaren Arbeits- und Atelierräumen für Künstler, Kulturschaffende und „Kreativwirtschaftler“.

Die Schieflage im Kulturetat der Stadt zwischen hoch subventionierter sog. „Hochkultur“ und  (zeitgenössischer) „freier Szene“  ist seit Jahren Thema. Die Umfrage des Kulturbüros Dresden „Low Budgets Profis?!“ 2010 erfasste die aktuelle Lage: die „freie Szene“ generiert mit überschaubaren Mitteln und nur wenigen festen Stellen Tausende kulturelle Veranstaltungen mit Hunderttausenden Besuchern während in den etablierten Häusern nicht selten mit Personalquerelen, fragwürdigen Werbekampagnen und teuer eingekauften „Stars“ und „Managern“ Kultur produziert wird, die nicht immer ein den finanziellen Mitteln gerechtes Niveau hält. Anders formuliert: der Kosten-Nutzen-Effekt ist in der „freien Szene“ in der Regel ein deutlich besserer.

Zumindest das Thema „Freiraum“ scheint – nicht zuletzt dank „ökonomischer“ Beweisführung für die Notwendigkeit solcher Räume für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung der Stadt durch den 2011 neu gegründeten „Branchenverband für Kultur- und Kreativwirtschaft“ und des ersten Berichtes zur Kultur und Kreativwirtschaft  in Dresden der Prognos AG – bei den Entscheidern aller Parteien angekommen zu sein und hat in den letzten Jahren unter Rot-Rot-Grün zu Verbesserungen, insgebesondere bei der Fördermittelvergabe geführt.