An PEGIDA scheiden sich die Geister. Für manche das letzte Aufgebot aufrechter Patrioten, deren These einer angeblichen Islamisierung des Abendlandes durch die große Flüchtlingswelle aus Syrien unerwartet schnell Relevanz bekommen hat, für andere ein Haufen mehr oder weniger rechts-konservativer Spießbürger mit weltfremden Ängsten, verkappten Ressentiments gegen alles was „fremd“ ist.

Vor einem Jahr war es ein interessantes Phänomen: bisher unpolitische Bürger, die den öffentlichen Raum als POLITISCHEN Raum in Beschlag nahmen und schwierige, vielleicht sogar „tabuisierte“ Themen angingen, sich Gedanken machten und Forderungen aufstellten, von denen einiger sogar dem LINKEN Wahlprogramm hätten entnommen sein können.

Deswegen habe ich PEGIDA bisher in vielen Gesprächen ungewollt verteidigt. Nicht aus Sympathie oder inhaltlicher Zustimmung, sondern aus grundsätzlichen Erwägungen heraus. Solange PEGIDA nicht klar gegen die von Verfassung und BGB gesetzten Grenzen verstößt – und das scheint nicht der Fall zu sein, andernfalls hätte man sie ja juristisch schon längst zu Fall bringen können – solange sind sie Teil der demokratischen Streitkultur. Ein Teil, den ich nicht schätze, aber den ich ertragen muss (= tolerare!).

Ein Jahr und diverse innere Spaltungen später ist PEGIDA jedoch nur noch zum Gähnen. Erstarrt in hohlen ritualsierten „Spaziergängen“ an zentralen Dresdner Plätzen, die die meisten Dresdner nur noch nerven, weil Straßenbahnen anders fahren, während das Image der Stadt, die für eine erfolgreiche (wirtschaftliche) Zukunft immer mehr auf ausländische Investoren und Touristen angewiesen ist, darunter nachhaltig leidet.

In einer echten Krisensituation, wo jeder Platz für Flüchtlinge gebraucht wird und jedes Behindern der Arbeit der Verwaltung in dieser Sache kontraproduktiv ist, kippt PEGIDA bewusst Wasser auf die Mühle rechter Apologeten, denen es um Vieles, aber sicher nicht das Wohl der Dresdner geht. Die Flüchtlinge kommen übrigens nicht, um eine Islamisierung Deutschlands voranzutreiben, sondern fliehen selbst vor einem militanten Islam, welcher von der „sozialistischen“ Baath-Partei eingeführte säkulare Errungenschaften in Syrien (wie weitgehende Gleichberechtigung, religiöse Pluralität, hohes Bildungssystem) durch autoritäre „theokratische“ Strukturen ersetzen will. Zudem sind viele Flüchtlinge Christen oder Angehörige einer der zahllosen anderen religiösen Minderheiten.

Diese „Details“ scheinen PEGIDA jedoch nicht weiter zu kümmern, zu sehr berauscht man sich am „Wir sind das Volk“- Gebrülle einer kleinen Gruppe, die außer sich selbst Niemanden repräsentieren und der medialen Aufmerksamkeit einer angeblichen „Lügenpresse“, die weit über das Maß dessen, was angemessen wäre, hinaus geht. Dafür fühlen sich rechte Gewalttäter umso mehr ermuntert, Flüchtlingsheime anzuzünden und Helfer zu behindern, j. e mehr sie in der Presse die immer gleichen Parolen von PEGIDA & Co. lesen und das Gefühl bekommen, nicht mehr die Angehörigen einer unverbesserlich ewig gestrigen Minderheit zu sein, die sie sind, sondern die Speerspitze einer nationalen Befreiungsbewegung mit den „Massen“ hinter sich.

Die Dresdner Neustadt ist seit jeher „bunt“. Ein Ort nicht nur für alle, die „anders“ sind, sondern auch ein Ort, an dem Menschen aus vielen verschiedenen Kulturen, Ethnien, Religionen friedlich miteinander leben. Wir wollen hier auch keine „Islamisierung“ aber im Gegensatz zu PEGIDA haben wir auch keine Angst davor, weil wir es als das sehen, was es ist: als Hirngespinst und als ein Problem, das in seiner angeblichen Dringlichkeit vor weit wichtigeren und jetzt aktuellen Problemen schnell verblasst.

Wenn PEGIDA meint, durch die Neustadt marschieren zu müssen, was nicht anders als bewusster Affront gegen dieses „liberale“ Viertel gewertet werden kann, dann sollten die Neustädter hier Flagge zeigen und PEGIDA zeigen, was wir von derart weltfremden und fragwürdigen Gruppen halten: NICHTS.

Auch wenn ich weiterhin das Recht seine Meinung, egal wie bescheuert sie im Einzelfall auch sein mag, im öffentlichen Raum zu vertreten, hochhalte und daher auch weiterhin PEGIDA ertragen werde, ohne in den Reflex einer „das sind alles Nazis“ Erklärung zu verfallen, wie leider viele meiner Parteikollegen, so sage ich hier zu PEGIDA: ich will euch in der Neustadt nicht haben. Denn euer Auftreten hier dient nicht der politischen Meinungsäußerung, sondern es hat nur einen Zweck: der aus der Verblendung über die eigene Bedeutung entstandene Anspruch sozusagen im „Herz“ des „links-grün versifften“ Milieus zu provozieren.

PEGIDA ist kein Teil der Lösung, es ist Teil des Problems, dass WIR ALLE bewältigen MÜSSEN. Denn die Flüchtlinge sind da und es werden noch viel mehr werden, wenn die wahnsinnige Außenpolitik der NATO, der EU und auch der BRD so weitergeht wie bisher. Wenn wir diese „Flüchtlingskrise nicht bewältigen“, ja was dann? Dann werden wir nicht Hunderttausende traumatisierte Flüchtlinge haben, sondern Hunderttausende enttäuschte und sehr wütende Flüchtlinge bekommen. Das kann Niemand wollen, der halbwegs bei Verstand ist und ein Mindestmaß an gesellschaftlichem Verantwortungsgefühl besitzt.

Und der Stadtverwaltung empfehle ich – sowohl im Hinblick auf PEGIDA als auch alle anderen zukünftig womöglich noch auftauchenden Dauerdemonstrationen – zu prüfen, ob man die , ganz legal dort marschieren lässt, wo sie niemanden stören. Ehrenrunden im Stadion wären doch eine gute Sache, und wer sich dann mit den Forderungen solidarisieren will, ohne sich durch das direkte Mitmarschieren die Hände zu beschmutzen, der kann dann in den Sitzen Platz nehmen. So hat der Rest der Stadt endlich Ruhe von dem Schwachsinn und die Versammlungsfreiheit ist dennoch gewahrt.