Die Burka ist nicht nur ein Kleidungsstück, sie vor allem ein Symbol. Nicht nur in Deutschland, nicht nur in Europa, sondern auch in der islamischen Welt selbst.

Eine Studie des PEW Research Centers brachte zutage, dass in den meisten islamischen Ländern weniger als 10% der Frauen eine Vollverschleierung tragen bzw. freiwillig tragen würden. „Standard“ ist ein weißes Kopftuch, dass aber das Gesicht komplett frei lässt. Nur in Pakistan und Saudi-Arabien halten 35% bzw. über 70% der Befragten eine Vollverschleierung als die für Frauen „angemessene“ Bekleidung. Die geringsten Zustimmungswerte verzeichnen Tunesien, Türkei und Libanon. Es lässt sich eine klarer Zusammenhang zwischen Grad politischer und individueller Freiheiten und Bejahung der Vollverschleierung feststellen: je politisch konservativer, desto höher die Vollverschleierung, je liberaler das Land, desto geringer die Akzeptanz der Vollverschleierung. [1]

Was logisch ist. Auch in der islamischen Welt haben sich seit Mitte des 19. Jh. in Folge von Kolonisierung oder intensiven Handelskontakten mit der westlichen Welt europäische Ideen verbreitet. Die wichtigste dieser Ideen ist die Idee individueller Grundrechte und davon abgeleitet universaler Menschenrechte. Beide sind das vorläufige Ende einer vor über 2600 Jahren von den alten Griechen begründeten Traditionslinie, ohne die weder die Abschaffung der Sklaverei noch die Errichtung von republikanischen Staatswesen oder Demokratien möglich gewesen wäre. Das bis heute gültige Fundament dieser in der Menschheitsgeschichte einmaligen Erfolgsgeschichte ist die simple Tatsache, dass sich „Untertanen“ selbst zu „Bürgern“ erhoben haben.
Ein Untertan ist nur ein passives Objekt obrigkeitsstaatlichen Handelns. Ein Bürger hingegen partizipiert an der Gestaltung seines Gemeinwesens, er ist ein aktives Subjekt, dass sich in vielerlei Hinsicht engagiert, einmischt und wenn nötig auch revoltiert, um seine Interessen zu wahren. Damit dies geschehen kann, benötigen Bürger eine Raum, in dem sie sich treffen und austauschen können: den sog. „öffentlichen Raum“. Foren, Marktplätze, Rathäuser, Theater, Stadien, Agoren, Bäder – dies alles waren und sind teilweise bis heute die Orte, an denen sich die Bürger trafen, um sich auszutauschen. Eine europäische Stadt selbst im „finstersten Mittelalter“ hatte IMMER solche öffentlichen Orte.

Das Grundverständnis, wie Gemeinschaft gebildet wird und funktioniert, ist im Islam ein völlig verschiedenes. Der Islam kennt keine Bürger, die in komplexen Verfahrensweisen Meinungen bilden und – um den inneren Frieden zu wahren – auch die Positionen von Minderheiten mit berücksichtigen. Er kennt auch nicht das Band, das die Bürger über alle Meinungsdifferenzen mit ihrer politischen Gemeinschaft (polis, Hansestadt, Stadtstaat, Republik usw.) verbindet und für den sie bereit sind zu kämpfen und wenn nötig zu sterben, weil sie sich als ein Teil dieses politischen Gebildes verstehen und daher, indem sie für ihn kämpfen auch für ihre eigenen Rechte kämpfen.
Islam bedeutet „Unterwerfung“ unter Gottes Willen. Der Islam kennt keine Bürger, nur Untertanen. Und in der gesamten islamischen Geschichte hat es keine Bürger gegeben. Deswegen kennen islamische Städte auch keine Rathäuser, öffentliche Foren und all die anderen Orte, an denen Bürger sich zum Austausch treffen. Lediglich öffentliche Bäder wurden in den eroberten Städten beibehalten, alle anderen öffentlichen Gebäude verfielen. Einige Jahrhunderte erblühte die islamische Kultur, weil sie in den Besitz der großen technischen und kulturellen Errungenschaften der Antike gekommen war, diese teilweise sogar weiter entwickelte. Aber ohne Bürger erlosch bald diese Flamme und alle Versuche, die großen Metropolen der Antike nachzuahmen (wie etwa die Stadtgründungen Kairo und Bagdad) verfielen zu bloßen, wenn auch riesigen, Agglomerationen.
An Stelle einer heterogenen Bürgerschaft kennt der Islam nur die homogene „Gemeinschaft der Gläubigen“ – und alle die, die nicht dazu gehören. Diese sind bestenfalls Untertanen zweiter Klasse oder völlig rechtlos. Dies betrifft traditionell auch die Frauen, die zwar immerhin zur „umma“ gehören und so – in getrennten Räumen – auch Zutritt zur Moschee haben, aber sonst weitgehend rechtlos waren. Es ist oft die Rede davon, dass die Frauen im Islam mehr Rechte hatten, als die Frauen im „christlichen Europa“. Für eine kurze Zeit des Frühmittelalters stimmte das auch. Aber mit dem Hochmittelalter (ab 1200) änderte sich die Situation: es gab nicht nur Königinnen und Kaiserinnen, sondern auch Frauen, die nach dem Tod ihres Mannes dessen Geschäfte weiterführten.
Im Islam gab es all dies nicht. Die von Muhammad zu seiner Zeit (7. Jh.) recht progressiven Bestimmungen wurden immer enger und frauenfeindlicher ausgelegt und Frauen wurde da facto zum BESITZ ihrer Männer. [2] Und so ist es in traditionellen muslimischen Familien bis heute: ein Mädchen ist weniger „wert“ als ein Junge, die Familienehre wird v.a. durch „Fehltritte“ der Töchter beschmutzt, und Ehrenmorde, um die Familienehre zu retten, fordern viel mehr Frauen als Männer zum Opfer.

Wieso nun dieser lange Exkurs? Um ganz klar zu machen, aus welcher Traditionslinie die Burka, also Vollverschleierung, kommt: aus einer mehr als 1000jährigen Tradition der Unterdrückung von Frauen aber auch von „Ungläubigen“. Kein Wunder also, dass die Burka v.a. in Ländern verbreitet ist, die in diesem Sinne besonders „rückständig“ sind: Saudi-Arabien, das z.B. bis heute regelmäßig die Todesstrafe wegen „Beleidigung des Propheten“ oder „Abfall vom Islam“ praktiziert; Pakistan, in dem insbesonderen zum Christentum übertretenden Ex-Muslime als Sklaven gehalten werden; Sudan, dass in den letzten Jahrzehnten bis zu 100.000 Christen aus dem Süden als Sklaven raubte [3].

Wenn die Grundlage unserer Kultur – und damit auch unser aller Freiheitsrechte! – der öffentliche Diskurs der Bürger ist, dann verträgt sich die Burka damit überhaupt nicht. Denn im Diskurs muss ich dem anderen ins Gesicht sehen, um zu wissen, wer welche Meinung vertritt. Gesicht macht Identität. Die Burka macht aus Individuen anonyme Untertanen. Und genau deswegen ist sie ein Symbol für einen politischen Islam, der mit unseren Grundwerten nicht vereinbar ist. Zudem grenzt die Burka die Frauen aus, verhindert Kommunikation und Bildung von Gemeinschaft mit Nicht-Muslimen.

Der berühmte Führer des algerischen Unabhängigkeitskrieges Ahmad Ben Balls ließ in einem Interview 1982, in dem es um das Palästina-Problem ging, einige Sätze fallen, die für die Denkstruktur und Traditionslinien, für die auch die Burka steht (hier konkret die Djihad-Ideologie) sehr aufschlussreich sind. Er sagte:

„Was wir Araber wollen, das ist sein [etre]. Aber wir können nur sein, wenn der andere nicht ist“
Weder Stalin noch Hitler noch Mao haben den Anspruch des Totalitarismus so prägnant formuliert: Israel ist der „Andere“: und der „Andere“ schließt das eigene Sein aus. Israel vertritt jedweden „Anderen“; es repräsentiert jegliches „Andere, das dem islamischen Djihad entgegensteht. Die logische Konsequenz hat Ben Balla uns nicht vorenthalten: Wenn der „Andere“ ein Hindernis für das eigene Sein ist, dann ist die totale Vernichtung angesagt: „Wenn es keine andere Lösung gibt, dann soll es zum Atomkrieg kommen, und das wird das Ende sein, ein für allemal“. [4]

Die Burka steht für eine religiöse Ideologie mit politischem Anspruch und absolutem Wahrheitsmonopol. Eine solche Ideologie wird gemeinhin „totalitär“ genannt. Wir kennen in Deutschland noch eine andere totalitäre Ideologie, deren Symbole und Kleidung verboten ist: den Nationalsozialismus. Der einzige Unterschied zwischen diesem und einem als „Islamofaschismus“ zu bezeichenden Scharia-Islam ist nur der, dass die Nazis ihren Weltkrieg und Völkermord bereits in die Geschichtsbücher geschrieben haben, während die Vordenker des militanten Islamismus bisher nur davon reden und schreiben bis zu 500 Millionen Nicht-Muslime zu ermorden. [5] Das dies keine leeren Drohungen sind, kann man überall dort erkennen, wo die Anhänger dieses „Lesart“ des Islams aktiv sind: sei es Boko Haram in Nigeria, al-quaida, der IS, die islamischen Reiterhorden des Sudan oder die Taliban in Afghanistan und Pakistan. Und ein Blick auf die Islamische Geschichte zeigt leider, das Ähnliches schon öfter Praktiziert wurde [6]

Und weil die Burka ein Symbol genau dieses verbrecherischen Islamofaschismus ist, gehört sie bei uns verboten.
Wer aus falsch verstandener Toleranz, Ignoranz oder einem verklärtem „Islambild“ das nicht verstehen kann oder will, der sägt an dem Ast seiner eigenen Grundrechte, auf dem er sitzt.

[1] Quelle: http://www.focus.de/politik/ausland/umfrage-in-sieben-laendern-was-duerfen-frauen-tragen-so-denken-muslime-wirklich-ueber-kopftuecher_id_3526685.html
[2] Die Geschichte von Sheherazade veranschaulicht das recht deutlich: der König lässt nach jeder Nacht seine Frau köpfen, damit diese ihm nicht untreu werden kann. Und bis heute werden Frauen bei Ehebruch deutlich härter als Männer bestraft, in vielen Ländern noch mit Steinigung, während Männer mit leichten Strafen oder gar straffrei davon kommen.
[3] Nur ein recht aktuelles Beispiel: https://koptisch.wordpress.com/2010/07/24/im-nordsudan-werden-heute-noch-mehrere-zehntausend-sklaven-festgehalten/
[4] Egon Flaig, Gegen den Strom, für eine säkulare Republik Europa, 2013, Springe, S. 90f. Zitat von Ben Balle aus: A. Ben Balla, Tous contre Israel (interview mit A. Soussan), in: Politique internationale 16 (Sommer 1982), S.108.
[5] http://web.de/magazine/politik/juergen-todenhoefer-islamischen-staat-is-500-millionen-menschen-toeten-30291064
[6] Sei es die völlig Entvölkerung der einst städtereichen Gebiete Zentral-Anatoliens, der millionenfache Raub von Kindern, um dies zu Janitscharen zu erziehen, über Jahrzehnte praktizierte Bevölkerungspolitik, um christliche Gebiete in muslimische Gebiete demografisch zu verwandeln oder die zahlreichen Städte, die von islamischen Herrführern vor die Wahl „Konversion, Flucht und Tod“ gestellt wurden. Mehr dazu in Bat Ye´or, Der Niedergang des orientalischen Christentums unter dem Islam 7-20. Jh. 2002, Gräfelfing.