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Historiker 2019-11-28T12:32:14+00:00

„Alles, was wir von der Vergangenheit aussagen, sagen wir von uns selbst aus. Wir können nie von etwas anderem reden, etwas anderes erkennen, als uns selbst. Aber in dem wir uns in die Vergangenheit versenken, entdecken wir neue Möglichkeiten unseres Ichs, erweitern wir die Grenzen unseres Selbstbewusstseins, machen wir neue, obschon gänzlich subjektive Erlebnisse. Dies ist der Wert und Zweck allen Geschichtsstudiums“ (Egon Friedell, Kulturgeschichte der Neuzeit, Bd. 1, München 1927, S. 17)

Daten

1996-2005 umfangreiches geisteswissenschaftliches Studium an der EMAU Greifswald
2002-05 studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für osteuropäische Geschichte
2005 M.A. in Geschichte, Musikwissenschaft und Neuerer und Neuester Geschichte.
2005 Magisterarbeit zum Thema „Das Koran- und Türkenbild im Alten Reich im 15. und 16. Jahrhundert“
2005/06 wissenschaftliche Mitarbeit am „Kulturhistorischen Museum Stralsund“
2007 Praktikum am „Militärhistorischen Museum Dresden“
2011 Werkvertrag beim Landesamt für Archäologie Sachsen und Mitarbeit an der „Preusker-Ausstellung“
2012 Werkvertrag beim „Museum Alte Lateinschule“ Großenhain
2018 / 2019 Leiter AG Geschichte zur Aufarbeitung der Unternehmensgeschichte des Studentenwerk Dresden
2019 Werkvertrag beim „Museum Alte Lateinschule“ Großenhain


Seminararbeiten

Die Rezeption der großen geographischen Entdeckungen in der deutschen humanistischen Tradition des frühen 16. Jahhunderts anhand des „Klassikerstreites“ zwischen Vadianus und Johannes Camers – Historische und theologische Grundlagen des Kalifates – Der preußische Adel und das „Weimarer System“ (ISBN 978-3-638-79710-5) – Zum Wesen der Utopie und utopischen Elementen in Geheimbünden – Der Albigenserkreuzzug (ISBN 978-3-638-65245-2) – Autoritäres Denken in militärischer und politischer Führung unter Einbezug des gesellschaftlichen Hintergrundes in der Weimer Republik – Bartolomeo de Las Casas – Repräsentation des Bürgertums in der Musik – Die Entfremdung zwischen westlicher und östlicher Reichskirche: Aufbau und theologische Entwicklung der Ostkirche bis zum Schisma von 1054 – Osmanische Reformpolitik im 19 Jahrhundert – Zeitlicher Hintergrund und geistige Vorläufer René Descartes (ISBN 978-3-638-79710-8)


Publikationen

Preusker und die Freimaurer, in: Karl Benjamin Preusker – Archäologe, Freimarer, Netzwerker. Hrsg. Von Regina Schmolnik und Jens Schulze-Forster,Beucha, 2011.


Mein Weg zur Geschichte

Schon vor meinem umfangreichem Geschichtsstudium 1996-2005 interessierte ich mich für Geschichte.  Seit der 2. Klasse wollte ich Archäologe werden, wovon mir in der 12. Klasse eine echte klassische Archäologin mit dem Hinweis, es gäbe in Deutschland einfach zu wenige Fundorte aus der Antike und im Mittelmeerraum genügend hervorragende  Archäologen, abriet. Also studierte ich Geschichte – und mied lange Zeit das „Mittelalter“, zu sehr war ich auf die antiken Hochkulturen ausgerichtet und wollte mich nicht mit den „Barbaren“ des 6.-13. Jahrhunderts abgeben. Dennoch studierte ich auch ein Semester Ur- und Frühgeschichte, um die „kleine“ Lücke zwischen Menschwerdung und den Kulturen des Jungsteinzeit zu schließen.

Während meines Studiums stürzte ich mich neben den obligatorischen Pflichtveranstaltungen auf viele „exotische“ Themen: Kartographie und die Entstehung des modernen Weltbildes, die Geschichte des Osmanischen Reiches, den Krimkrieg, europäische Kolonialgeschichte und besuchte auch Vorlesungen und Seminare in der „Alten Geschichte“ (insbesondere bei Prof. Egon Flaig), in der Ur- und Frühgeschichte sowie Theologie (hier zur Kirchengeschichte). Zudem studierte ich 12 Semester Philosophie (ohne Abschluss).

Den Zugang zum Mittelalter fand ich erst später und eher zufällig: durch private Beschäftigung mit der Spätantike ( „Gnosis“ und „Hermetik„) und die Lektüre von Frank Thiess  „Die griechischen Kaiser – Die Geburt Europas“, das mir das Tor in die faszinierende Vielschichtigkeit des 6. bis 9. Jahrhunderts öffnete – einer Zeit in dem griechisch-christliche „Rhomäer“ die Restauration des „Imperium Romanum“ vorantrieben und sich gleichzeitig im Osten einen 150 jährigen Krieg mit dem wiederauferstandenem Perserreich unter den Sassaniden lieferten. Im „Abendland“ wurden aus germanischen Stämmen allmählich christliche Königreiche der Franken und Goten. In Brittanien kämpften romanisierte Kelten gegen heidnische Angelsachsen während in Irland aus Verschmelzung christlicher mit druidischer Kultur ein ganz eigenes Christentum entstand und halb Europa missionierte bis es unter die Kuratel der Päpste gestellt wurde. An der Wolga lebten die zum Judentum übergetretenen Chazaren und noch weiter im Osten machte sich eine endlose Abfolge von Steppenvölkern auf den langen Weg nach Westen. Im Süden schickten sich die Araber an, das Antlitz der bekannten Welt für immer zu verändern, im Norden verbreiteten die Wikinger Angst und Schrecken. Ein Panoptikum unterschiedlichster Kulturen und Religionen und dennoch alle miteinander verflochten.

„Klassische Themen“, wie Geschichte des Frankenreichs, Kreuzzüge, Heiliges Römisches Reich deutscher Nation, Napoleon, Weimer, Hitler usw. gehörten natürlich auch zum Studium.

In meiner Magisterarbeit zum „Koran- und Türkenbild im Alten Reich im 15. und 16. Jh.“ flossen dann viele der früheren „exotischen“ Fäden zu einem „roten Faden“ zusammen: ausgehend von eschatologischen Vorstellungen aus Alten und Neuem Testament, verstärkt in den Wirren des Untergang des weströmischen Reichen, geschärft an der Auseinandersetzung mit den „Sarazenen“, zur ersten Panik erwachsen während des Mongolensturmes 1241 und zu voller Blüte dann während der Reformationszeit erblüht, entfaltete ich die Geschichte eines alten, sich immer wieder neu erfindenden Feindbildes: des (berittenen) Fremden, der die „Kirchen mit dem Blute der erschlagenen Neugeborenen zu schänden sucht“ und das christliche Abendland zu vernichten trachtet, welches auch heute wieder in der Angst vor DEM Islam Blüten treibt.

Nach Ende meines Studiums arbeitete ich im Kulturhistorischen Museum in Stralsund an der Erfassung der „Pommerschen Sammlung“ – einer ursprünglich im Pommerschen Museum in Stettin gelagerten Sammlung der prächtigsten ur- und frühgeschichtlichen Funde aus ganz Pommern, der von den Nazis gegen Kriegsende dann nach Stralsund in Sicherheit gebracht wurde, wo sie im Depot vor sich hin wartete. Nachdem der von mir erstellte Sammlungskatalog fertig war, wurde die Sammlung dann im Austausch gegen andere Funde nach Stettin verbracht, wo sie vermutlich ebenfalls im Depot vor sich hin wartet.

2007 absolvierte ich am „Militärhistorischen Museum Dresden“ ein Praktikum, arbeitete u.a. an einer Medienstation zum 2. Weltkrieg mit. Dort lernte ich so interessante Dinge, wie z.B. dass fast der gesamte alliierte Rindfleischbedarf aus Uruguay gedeckt wurde, dass sich das Deutsche Reich nicht nur im Krieg mit den „Alliierten“ sondern mit insgesamt 153 (sic!) Staaten befand, von denen die meisten allerdings niemals aktiv am Krieg beteiligt waren, und erfuhr vieles über militärisch-taktische Fragen – einem Bereich, der den meisten Historikern verschlossen bleibt, dessen Berücksichtigung aber Antwort auf manche „Wieso?“-Fragen liefert.

Nach längerer Pause arbeitete ich 2011 an der „Preusker-Ausstellung“ des Landesamtes für Archäologie Sachsen mit, die dann im Japanischen Museum zu sehen war. Im Rahmen der Recherchen zu Karl Benjamin Preuskers Leben lernte ich viel über das Napoleonische Zeitalter, die Industrialisierung in Sachsen und bürgerliche Reformbewegungen, um das mit der Industrialisierung verbundene soziale Auseinanderdriften der Gesellschaft abzufedern.

2012 arbeitete ich an der Ausstellung „Als die Eisenbahn nach Großenhain kam – 150 Jahre Cottbusser Bahnhof“  im „Museum Alte Lateinschule Großenhain“ mit.